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"StadtBauKultur" will Zeichen setzen
Die Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen und ihrer Kooperationspartner bietet Plattform für zukunftsorientiertes Bauen und Planen in NRW

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Die Zukunft von Städten wird entscheidend davon abhängen, ob es ihnen gelingt, eigenständige Profile und unverwechselbare Identitäten zu entwickeln. Diese Qualität hängt von vielen, ganz unterschiedlichen Faktoren ab: von der spezifischen Architektur, vom Öffentlichen Raum, vom Grün in der Stadt, um nur einige zu nennen. An dieser Profilbildung müssen sich alle beteiligen: Bürgerinnen und Bürger, Handel und Gewerbe, Politik und Verwaltung. Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner, Künstler und Designer müssen neue Formen der Kooperation finden. Die Initiative StadtBauKultur NRW will hierfür eine Plattform bieten. Mit konkreten Projekten und neuen Investitionen in Architektur, Städtebau und Landschaftsgestaltung will das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen zusammen mit seinen Partnern die europaweite Diskussion um Bau- und Stadtkultur voranbringen. StadtBauKultur ist eine Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit der Architektenkammer, der Ingenieurkammer Bau, der Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen Spiitzenverbände, der Vereinigung der Industrie- und Handelskammern, den Verbänden der Bau- und Wohnungswirtschaft und Künstlerverbänden in Nordrhein-Westfalen.
Zeichen für zukunftsorientiertes Bauen und Planen
StadtBauKultur will Zeichen setzen für zukunftsorientiertes Bauen und Planen in NRW und steht auf drei Säulen: Zunächst geht es um die Gestaltqualität von Gebäuden in ihrem urbanen Umfeld. Dabei hat die Landesregierung nicht allein architektonische Highlights im Blick wie etwa die Hafenprojekte in Düsseldorf und Duisburg, Kulturprojekte wie das Wallraf-Richartz-Museum in Köln und die Fortbildungsakademie Mont Cenis in Herne: Für die Baukultur ebenso wichtig ist die "Architektur des Alltags", vom Einfamilienhaus, über den Supermarkt, bis hin zu technischen Bauwerken wie Brücken und Kraftwerken. Gerade diese "Gebrauchsarchitektur" bestimmt die Qualität urbaner Lebensräume. Funktionierende Beispiele sind hier etwa die Zechensiedlungen des Ruhrgebietes oder innenstadtnahe Gründerzeitviertel. Wichtige Ansprechpartner für diese Säule von Baukultur sind Bauherren, Architekten, Ingenieure und Kunstschaffende.
Impulse geben und Raum schaffen
Die zweite Säule von StadtBauKultur beschäftigt sich mit dem Kern des Städtischen, dem Öffentlichen Raum. Hier will das Land Nordrhein-Westfalen Impulse geben und Raum schaffen für bürgerschaftliches Engagement - etwa mit dem Wettbewerb "Stadt macht Platz - NRW schafft Plätze". In den nächsten Jahren sollen 50 Plätze entstehen - auf einem hohen städtebaulichen Niveau, jeweils ergänzt um Konzepte zu ihrer "Bespielbarkeit": Der Öffentliche Raum muss wieder zum öffentlichen Thema werden, für das sich die Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Wirtschaft engagieren. Über 100 Stadtmarketing-Projekte und die Aktion "Ab in die Mitte" bieten dafür eine Basis. Die Initiative StadtBauKultur NRW wird zeigen, dass künstlerische Projekte - von der Lichtinszenierung bis zur Garten- und Landschaftskunst - dem Öffentllichem Raum neue Identitäten verleihen können. Dieser Teil des Konzepts wendet sich vorrangig an Stadtplanerinnen und Stadtplaner, aber ebenso an Bürgergruppen und die Wirtschaft. Auch die zeitgenössische Kunst spielt hier eine wichtige Rolle.
Denkmalschutz die dritte Säule
Das Thema Baukultur hat auch eine zeitliche Dimension. Deshalb ist der Denkmalschutz die dritte Säule der Initiative. Einzigartige Potenziale bieten staatliche Denkmäler wie das Schloss Brühl oder die historischen Stadtkerne von Lemgo bis Bad Münstereifel. Zielgruppen im Bereich des Denkmalschutzes sind auch Hauseigentümer. Für Nordrhein-Westfalen typisch sind die Industriedenkmäler. Das Gasometer in Oberhausen und das Ensemble der Zeche/Kokerei Zollverein in Essen sind international bekannt. Im Rahmen der Initiative StadtBauKultur NRW soll die Diskussion um die Zukunft des Denkmalschutzes fortgeführt werden - nicht nur theoretisch, sondern auch am Beispiel investiver Projekte, etwa dann, wenn junge Unternehmen in ehemaligen Fabrikgebäuden Kreativ- und Gründerzentren errichten
Impulse und Ideen willkommen
StadtBauKultur will die baukulturelle Realität in Nordrhein-Westfalen verändern. Besonders und einzigartig ist die Einbindung von Landschaftsarchitektur und Gartenkunst, Bildender Kunst sowie Industriekultur in die Landesinitiative. Impulse und Ideen von allen Seiten sind der Landesregierung willkommen.
Dazu die Rede "StadtBauKultur NRW" von Dr. Michael Vesper, Minister für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport NRW, vom 9. November 2001 im Düsseldorfer Ständehaus
"(...) Baukultur, verstanden als bewusster oder qualitätsorientierter Umgang mit der Umwelt, ist eine Chance zur Profilierung von Städten, aber auch eine spezifische Chance für den Berufsstand der Architekten und Stadtplaner. Denn sie sind die Träger einer dringend erforderlichen Qualitätsdiskussion. Unsere Städte sind weitgehend fertig gebaut. Aber viele dieser Städte sind noch nicht urbanisiert. Die Summe von Häusern bildet noch keine Stadt. Wir brauchen neue Plätze, aussagefähige Hausfassaden und benutzbare Parks. Wir brauchen gute Architekten und Stadtplaner, um diese oft neutrale und anspruchslose Umgebung zum Sprechen zu bringen. Baukultur ist auch ein Thema für die Bauwirtschaft. In dieser Branche nimmt der Strukturwandel dramatische Züge an. Seit 1995 sind im nordrhein-westfälischen Bauhauptgewerbe fast 50.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Wenn man über Auswege aus dieser Krise nachdenkt, wird man sicher nicht nur über Neubau nachdenken. Die größten Hoffnungen liegen meiner Überzeugung nach in der Sicherung des Bestandes und in einer anderen Art des Bauens. Ist das nicht auch Baukultur? Bei Baukultur geht es nicht allein um Gestaltung und Ästhetik, sie ist ganz wesentlich auch Strukturpolitik. Baukultur macht Standorte. Eine alte Weisheit sagt, dass mindestens 50 Prozent der Ökonomie Psychologie ist. Baukultur profiliert Städte und Regionen, gibt Stadtteilen ein Gesicht und ist notwendig, damit Nachbarschaften zu einander finden. Jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, präsentiert sich an einem baukulturell profilierten Standort. Jeder zukunftsorientierte Firmenchef sucht ein Milieu, in dem sich Einzigartigkeit mit Kreativität und Anregung verbindet. Als Standortfaktor ist Baukultur gerade für den expansiven Dienstleistungssektor elementar wichtig. Wir alle wissen, dass Baukultur kein Selbstläuder ist. Die Landesinitiative wird nur dann erfolgreich sein, wenn sie überzeugende Antworten auf die besonderen Situationen hier in Nordrhein-Westfalen findet. Das ist für mich die entscheidende Frage: Worin besteht dieses Einzigartige und Besondere, worin bestehen die baukulturellen Identitäten dieses Landes? Eine Orientierung habe ich schon angesprochen. Wir müssen im Bestand das Vergangene neu erfinden. Keine andere Region in Europa verfügt über eine solch fantastische Industriekultur. Im Rahmen der IBA Emscher Park haben wir eine Haltung zu dieser Industriekultur entwickelt, die internationale Beachtung findet. Zuweilen würde ich mir auch innerhalb der Region etwas mehr Stolz auf diese Projekte wünschen. Zeche und Kokerei Zollverein in Essen, die Jahrhunderthalle in Bochum, die Hochöfen im Landschaftspark Meiderich oder der Gasometer in Oberhausen - dies sind schon für sich aufregende Großskulpturen, die als stumme Zeugen der 150-jährigen Industriegeschichte in unsere Zeit hinüberragen und gerade die bildenden Künstler an- und aufregen. Meine persönliche Erfahrung ist: Kaum etwas fasziniert Künstlerinnen und Künstler so sehr wie dieses Netzwerk der Industriekultur. Ich möchte diese kreative Neugier der bildenden Künstler für die Baukultur in Nordrhein-Westfalen fruchtbar machen. Und es gibt einen weiteren Bereich, mit dem wir uns in der europäischen Diskussion positionieren sollten. Auch in der Garten- und Landschaftsarchitektur sind wir auf dem Weg zu einem internationalen Niveau. Hier haben wir in der IBA und in den Regionalen 'Kultur- und Naturräumen' viel gelernt. In der Garten- und Landschaftsarchitektur finden Zukunftsvisionen und -konzepte zueinander: die künstlerische Auseinandersetzung, die Ökologie und ein zukunftsoffenes Verständnis von Denkmalschutz.(....) Baukultur kann nicht vom Staat diktiert werden. Alle sind gefordert, den Begriff lebendig und die Inhalte innovativ zu machen; so gesehen muss Baukultur zu einer große Bürgerinitiative werden. Ich bitte alle Architekten und Stadtplaner, die Initiative StadtBauKultur als Chance zu begreifen. Machen Sie Baukultur zu einem sichtbaren und sinnlichen Projekt, zu dem jeder im Land ein Verhältnis entwickeln kann. Ich freue mich daher, dass wir für die heutige Veranstaltung Herrn Massimiliano Fuksas, den Direktor der letzten Architektur-Biennale in Venedig, als einen unserer Hauptredner gewinnen konnten. Wir alle waren, Herr Fuksas, von der Biennale begeistert. Als weiteren Experten für den Städtebau begrüße ich Herrn Professor Wachten. Wir sind froh, dass wir Herrn Wachten nun wieder in NRW haben. Ich bitte die Ingenieurinnen und Ingenieure, ihre Produkte und Leistungen in einen baukulturellen Zusammenhang zu stellen. Nichts ist überraschender oder überzeugender als ein Ingenieurbauwerk, das sich gleichzeitig ästhetischen und funktionalen Ansprüchen stellt. Ich denke da zum Beispiel an die vielen wunderschönen Brücken. Ich bitte die Künstlerinnen und Künstler, in den Prozess des Bauens und des Planens aktiv einzugreifen. Architektur, Städtebau und Landschaftsplanung brauchen die kulturelle Energiezufuhr. Erst durch künstlerisch paradoxe Eingriffe und Interventionen entstehen neue Sichtweisen. Ich habe heute mehrere profilierte Vertreter der Kunst zu begrüßen: Herrn Dani Karavan, dem Nordrhein-Westfalen mehrere international beachtete Anlagen zu verdanken hat. Herr Karavan wird heute einige interessante Projekte vorstellen. Ferner begrüße ich Herrn Huber als Vorsitzenden des Deutschen Künstlerbundes, der nicht nur durch seine Funktion, sondern auch durch seine künstlerischen Arbeiten überzeugt hat. Schließlich freue ich mich, dass auch der Direktor des Duisburger Lehmbruch Museums, Herr Dr. Brockhaus, heute mit uns diskutieren wird. Er steht für diejenigen, die Museumsarbeit immer auch im Kontext zum öffentlichen Raum, zur urbanen Landschaft, begreifen. Bildende Kunst ist aufregend; bildende Kunst will gestalten und mitgestalten; sie ist die wirkliche Verbündete von allen, denen Urbanität und Stadtkultur am Herzen liegen. Ich bitte die Bürgerinnen und Bürger, sich in die Gestaltung ihres Wohnumfeldes, ihres Stadtquartiers oder ihrer Innenstadt einzumischen. Baukultur wird letztendlich aus Engagement gemacht. Sie hat nur eine Chance, wenn sie als aufklärerisches und demokratisches Projekt verstanden wird. Ich bitte die Städte und Gemeinden, Baukultur nicht als etwas misszuverstehen, das man sich nur in guten Zeiten gönnt. Häufig ist ein gut gestaltetes Rathaus, ein historisch einzigartiger Straßenzug oder ein überraschender Park wichtiger als eine zusätzliche Straße. Fast immer bringt ein architektonischer oder städtebaulicher Wettbewerb bessere Ergebnisse als die Umsetzung eines mittelmäßigen Investorenprojekts. Nur schneller zu sein, reicht einfach nicht. Folgen Sie unserem Beispiel: Bei bedeutenden Landesbauten werden Architekturwettbewerbe durchgeführt. Die Städte und Gemeinden haben auch eine besondere Verantwortung, wenn es um nachhaltiges Bauen geht. Der Baubereich ist mit Abstand der größte Verursacher von Stoffströmen und Flächenverbrauch. Konsequent ökologisch bauen heißt vorrangig bauen und sanieren im Bestand. Es geht darum, den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden einschließlich des Ressourcenverbrauchs zur Herstellung, Nutzung und Entsorgung zu betrachten. Bei der ökologisch sinnvollen und notwendigen Bestandspflege und -entwicklung haben Sie meine volle Unterstützung. Ich bitte die Wirtschaft, mehr Verantwortung für ihren Standort zu übernehmen. Wir haben in Nordrhein-Westfalen inzwischen eine besondere Kultur der Kooperation mit der Wirtschaft entwickelt. Mehr als 100 Stadtmarketingprozesse und ebenso viele Kulturprojekte im Rahmen von 'Ab in die Mitte' sind eine verlässliche Basis für eine noch breitere Kooperation." (....)
Die Landesinitiative
Nicht nur die architektonischen Highlights in Nordrhein-Westfalen, dazu zählt z.B. das aufwendig sanierte Ständehaus in Düsseldorf, sollen von der Initiative StadtBauKultur profitieren.
Fortbildungsakademie des Innenministeriums NRW auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Mont Cenis in Herne. Ein über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Bauwerk mit wegweisender Architektur.
Das Düsseldorfer Hafengebiet. Die Initiative StadtBauKultur steht auf drei Säulen: Zunächst geht es um die Gestaltqualität von Gebäuden in ihrem urbanen Umfeld.
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