WV-Verlag


 

Von der Vision zur Realisierung
Neubau- und Sanierungsprojekte in Leipzig tragen zu mehr Attraktivität und Lebensfreude in der Stadt bei und zeugen vom Glauben in den Standort

TIEFBAU LANGE

BHCL BAU SERVICE u. GERÜSTBAU GMBH

ANTON SCHMITTLEIN BAUUNTERNEHMUNG AG

WOKOM WOHN- U. KOMMUNALBAUTEN GMBH

MILDE BEDACHUNG
Leipzig ist nach wie vor eine Stadt im Umbruch, auch wenn der große Bauboom der 90er Jahre schon etwas zurückliegt. Sie hat in den letzten Jahren einen enormen Entwicklungsschub erhalten und Raum für Neues geschaffen. Einst eine Stadt mit europäischer Bedeutung, waren die 40 Jahre DDR nicht nur funktional, sondern auch städtebaulich ein entscheidender Einschnitt. Diese Phase der Vernachlässigung und des Verfalls der Stadt wurde nach 1990 durch einen Investitinsboom abgelöst, der eine Herausforderung für die Stadt und ihre Bewohner darstellte. Die Erfolge dieser Stadtentwicklung im "Zeitraffer" sind bemerkenswert. Etwa drei Viertel der alten Häuser und 60 Prozent der Plattenwohnungen wurden inzwischen saniert, viele Büros und Wohnungen neu errichtet. Unternehmen, vor allem im Dienstleistungssektor, haben neue Arbeitsplätze geschaffen. Bedeutende Projekte privater Investoren und der öffentlichen Hand, wie der Bau des neuen Messegeländes und der Ausbau der Telekommunikations- und Verkehrsinfrastruktur, brachten der Stadt das Prädikat "Boomtown" des Ostens ein.
City-Tunnel Leipzig
Die Tunnelverbindung vom Leipziger Hauptbahnhof zum Bayerischen Bahnhof ist ein lang gehegter Wunsch der Leipziger, der bis ins Jahr 1913 zurückreicht. Bereits zu diesem Zeitpunkt erkannte man die Notwendigkeit einer unterirdischen Verbindung und baute sogar ein erstes Teilstück. Doch die Umstände der Weltkriege und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der DDR verhinderten eine weitere Realisierung. Durch den gesellschaftlichen Umbruch im Jahr 1989 konnte der Leipziger Traum eines Lückenschlusses im Eisenbahnnetz weiter verfolgt werden - wichtig vor allem für die Schaffung eines neuen S- und Regionalbahnnetzes und nicht zuletzt für den Fernverkehr Richtung Nürnberg/München. Nie standen die Chancen einer Realisierung besser - und sie werden genutzt. Nach dreijähriger Planungsphase wurde im Mai 2000 der Planfeststellungsbeschluss erteilt, der einen wichtigen Schritt zur Realisierung darstellte. Zudem verständigten sich am 5. September 2000 der damalige Bundesverkehrsminister Klimmt und Leipzigs Oberbürgermeister Tiefensee grundsätzlich über die Realisierung des Großprojektes. Zuletzt erklärte der Freistaat Sachsen seine finanzielle Beteiligung, so dass jetzt mit allen Partnern eine Finanzierungsvertrag bis zum Sommer 2002 abgeschlossen werden kann. Das heißt, in den nächsten Jahren wird sich eine so genannte Tunnelbohrmaschine ihren ca. 3 km langen Weg bahnen. Bedingt durch die wertvolle historische Bausubstanz der Innenstadt kommt nur eine geschlossene Bauweise in Betracht, also eine Unterfahrung der bestehenden Gebäude, verbunden mit minimalen bautechnischen Eingriffen an der Oberfläche. Die einzelnen Stationen werden jedoch in offener Bauweise errichtet, so dass jeder einzelne Schritt im Bauablauf beobachtet werden kann. In diesem Sinne muss Leipzig nicht mehr weiter von einem City-Tunnel träumen, sondern alsbald ist der "Traum" ganz nah und unmittelbar zu erleben.
Das neue Sportforum
Neben der Errichtung einer Mehrzweckhalle ist der Umbau des Zentralstadions eines der beiden Kernstücke bei der Umgestaltung des Sportforums. Das Gelände der ehemaligen "Frankfurter Wiesen" wird bereits seit 1867 sportlich genutzt. Hier hatte der im gleichen Jahr gegründete bürgerliche Turnverein "TV 1867" seine Übungsstätten. Pläne für den Bau eines Stadions aus der Zeit des Nationalsozialismus wurden nicht verwirklicht, lediglich ein riesiger Aufmarschplatz, die heutige Festwiese, wurde für Propagandazwecke konzipiert. Als erste größere Baumaßnahme und gleichzeitig als erster Sportstättenbau nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges entstand dann in den Jahren 1950 bis 1952 das Schwimmstadion. In der Zeit von Mai 1955 bis Juli 1956 leisteten dann über 180.000 Leipziger insgesamt 735.992 unbezahlte Arbeitsstunden, um das 100.000 Zuschauer fassende Zentralstadion zu errichten. Dazu musste ein 23 m hoher Stadionwall aufgeschüttet werden, wobei ca. 1,5 Mio. m³ Trümmerschutt aus der Innenstadt bewegt wurden. Zum II. Deutschen Turnfest fand im August 1956 die Einweihung des Stadions statt. Seitdem wurden dort zahllose sportliche Großereignisse ausgetragen wie Fußball-Länderspiele, Leichtathletik-Veranstaltungen, Friedensfarhtankünfte und seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch Rockkonzerte.
Umbau Zentralstadion
Der Bauzustand verschlechterte sich freilich immer mehr. Vor allem zu Beginn der 90er Jahre wurde versucht, dem Verfall Einhalt zu gebieten. Man sanierte 40.000 Zuschauerplätze, baute einen Sicherheitszaun ein und erneuerte die Kunststoffbahn. Nach Abstieg des VfB Leipzig aus der Bundesliga 1994 und dem dadurch begründeten Umzug des Vereins in das kleinere Bruno-Plache-Stadion wurde das Zentralstadion nur noch für kleinere lokale Veranstaltungen genutzt. Der Entwurfsidee des vom Büro Wirth und Wirth gebildeten Konsortiums zur Anlage des neuen Stadions liegt die Integration des alten Stadions in den neuen Komplex zugrunde. Durch seine Einbettung in den vorhandenen Grünbereich des Walls und die Aufnahme der bestehenden städtebaulichench Achsen wird das neue Stadion trotz seiner Größe und dominanten Erscheinung in das vorhandene Landschafts- bzw. Stadtbild eingegliedert. Um die Sportstätte entsteht auch ein Park. Das neue Stadion ist speziell auf Fußball ausgerichtet. Durch den Wegfall der Leichtathletikanlagen und der Rundlaufbahn haben die Zuschauer einen sehr engen Kontakt zum Spielgeschehen. Das bestimmende Element ist das Dach, das die Tribünen des Stadion stützenfrei überspannt. Den Zuschauern stehen 45.000 überdachte Einzelsitzplätze zur Verfügung, darunter 300 VIP- und 1.300 Business-Seat-Plätze auf der Haupttribüne. Zusätzlich wird es 180 behindertengerechte Sitzplätze geben. Damit entspricht die Kapazität den Vorschriften des Internationalen Fußballverbandes (FIFA) für Vorrunden-, Achtelfinal- und Viertelfinalspielen bei Fußball-Weltmeisterschaften. Das 80 m mal 120 m große Spielfeld wird mit Naturrasen bepflanzt. Eine Drainage sowie eine Rasenheizung sind vorgesehen. Durch teilweise transparente Fassadenabschnitte sowie eine optimierte Dachgestaltung sollen genug Sonnenstrahlen ins Stadioninnere gelangen, um eine bestmögliche Versorgung der Grasnarbe zu gewährleisten. Laut Stellplatzkonzept sind für das Stadion 3.000 PKW-Stellplätze vorgesehen. Davon werden 600 unter den Tribünen direkt im Stadion untergebracht. Andere Parkmöglichkeiten finden sich in ausreichendem Maß im näheren Umfeld des Sportforums, so z.B. an der Mehrzweckhalle und dem Cottaweg. Ein so anspruchsvolles Vorhaben kann eine Kommune in Zeiten knapper Kassen nicht allein bezahlen oder betreiben. Deshalb lobte die Stadt 1996 ein mehrstufiges Auswahlverfahren für einen Projektentwickler aus, der ein Betreibungs- und Fianzierungskonzept für den Umbau erarbeiten sollte. Im September 2000 erteilte die Ratsversammlung der TMKA Immobilien Beteiligungs GmbH (Alleingesellschafter: Michael Kölmel) den Zuschlag zum Umbau und zur Betreibung des Zentralstadions für 15 Jahre. Die Stadt beteiligt sich am Stadion mit ca. 12 Mio. Euro, der Bund fördert den Umbau des Stadions mit ca. 51 Mio. Euro. Sein erstes sportliches Großereignis wird das Zentralstadion voraussichtlich zum Deutschen Turnfest Pfingsten 2002 erleben. Im Sommer 2006, dies steht bereits jetzt fest, wird das Zentralstadion als einer der Spielorte der in Deutschland ausgetragenen Fußball-Weltmeisterschaft ins internationale Rampenlicht rücken. Auch in anderen Bereichen des Sportforums gehen die Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten voran. So wurde die neue Leichtathletikanlage auf der Nordanlage des Sportforums in einem ersten Bauabschnitt bereits am 6. Dezember 1999 fertig gestellt. Geplante und z.T. begonnene Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten am Hauptgebäude des Sportforums, am Glockenturm, an der Festweise und dem Vorplatz runden das Großprojekt "Umbau Sportforum" ab. Durch diese Aktivitäten wird das gesamte Gelände der ehemaligen Frankfurter Wiesen neu belebt und schafft für Leipzig und weit über die Grenzen der Stadt hinaus ein attraktives Sport-, Freizeit- und Erholungsgebiet.
Verlängerung der Marschnerstraße
Die vierspurige Verlängerung der Marschnerstraße von der Jahnallee über das Gelände des Sportforums bis zum Knoten Friedrich-Ebert-Straße dient zwei Zwecken: einerseits der Verkehrserschließung des neuen Zentralstadions und der Mehrzweckhalle, andererseits der Entlastung der angrenzenden Wohnquartiere vom Durchgangsverkehr. Vor allem bei Großveranstaltungen muss die neue Trasse ein großes Verkehrsaufkomen bewältigen. Sie führt von der Jahnallee zwischen dem Festwiesen-Wall und dem Parkplatz für die Mehrzweckhalle weiter zwischen Stadion -Wall sowie nördlichem und südlichem Haupttreppenaufgang des Stadionvorplatzes bis zum Knoten Friedrich-Ebert-Straße/Goyastraße. Die Stadionaufgänge unterquert sie auf leicht abgesenktem Niveau. Dazu müssn zwei Tunnel gebaut werden, zwischen denen die niveaugleiche Zufahrt zum Stadion verlaufen wird. Die Kosten der gesamten Baumaßnahme betragen rund 14,3 Mio. Euro, davon rund 10,2 Mio. Euro Fördermittel. Die Stadtverwaltung hat die Notwendigkeit der Verlängerung der Marschnerstraße eingehend mit Bürgern, Parteien, Vereinen und Institutionen diskutiert. Am Ende dieses Prozesses stand ein Verkehrskonzept für die Erschließung des Sportforums Leipzig. Entlang der Straße verlaufen beidseitig Radwege, z.T. hinter mit Bäumen bepflanzten Grünstreifen. Die Knoten Marschnerstraße/Zufahrt zum Parkplatz der Mehrzwecksporthalle und Stadionzugang sowie der Bereich Marschnerstraße/Goyastraße/Nordanlage Stadion werden mit Lichtsignalanlagen versehen. Mit der Neugestaltung des Stadionvorplatzes wird dann die Friedrich-Ebert-Straße südlich der Goyastraße im Zuge einer separaten Maßnahme umgebaut.
Neue Mehrzweckhalle
Auf der Südanlage des Sportforums an der Jahnallee/Ecke Friedrich-Ebert-Straße entsteht, wie bereits erwähnt, die neue Mehrzwecksporthalle. Pünktlich zum Deutschen Turnfest Pfingsten 2002 wird sie fertig sein. Mit der Realisierung dieses ca. 42-Millionen-Euro-Vorhabens bekommt Leipzig eine Wettkampf- und Trainingsstätte, die internationalen Ansprüchen gerecht wird und die auch u.a. für Rockkonzerte geeignet ist. Bund und Feistaat unterstützen den Neubau mit je ca. 9 Mio. Euro, die Stadt trägt den Löwenanteil mit ca. 24 Mio. Euro. Der 150 m lange, 86 m breite und 18 m hohe Gebäudekomplex besteht aus einer Haupthalle und zwei Nebenhallen. In der Haupthalle befindet sich eine komplette, für internationale Wettkämpfe geeignete Leichtathletikanlage. Sie umfasst u.a. eine 200-m-Rundlaufbahn mit sechs Bahnen und absenkbaren bzw. überhöhbaren Kurven, Anlagen für Stabhochsprung, Weitsprung und Kugelstoßen sowie ein Spielfeld für Basketball, Volleyball, Handball, Hockey, Tennis und Fußball. Auch internationale Wettkämpfe im Ringen, Judo, Turnen und Boxen sowie Eissportveranstaltungen können in ihr ausgetragen werden. Bei Leichtathletikveranstaltungen bietet die Halle 3.000 Besuchern Platz, bei Ballspeielen 7.500 und bei Rockkonzerten maximal 12.000. Die Nebenhallen dienen primär dem Training. In der Spielfeldhalle - einer Dreifeldhalle mit Parkettfußboden - können Basketball-, Handball-, Hockey- und Volleyballspieler trainieren; die zweite Nebenhalle ist den Judosportlern vorbehalten. Beide Nebenhallen fassen maximal je 300 Zuschauer. Neben den eigentlichen Sportanlagen umfasst die Mehrzweckhalle u.a. noch Räume für Sauna, Physiotherapie, Arzt und Dopingkontrolle, Krafttraining und Gastronomie. Ihre erste Bewährungsprobe hat die Mehrzweckhalle Pfingsten 2002 zum Deutschen Turnfest zu bestehen: In ihr wird die Deutsche Meisterschaft im Geräteturnen - Jugend bis Senioren - ausgetragen. Im gleichen Jahr folgen die Frauen-Volleyball-WM, die Leichtathletik-Landesmeisterschaften und die ARD-Masters-Gala im Tanzen; auch für das Tennis-Grand-Prix ist die Halle vorgesehen. 2003 findet hier ein internationales Leichtathletik-Meeting statt sowie die 50. Deutschen Hallen-Meisterschaften der Leichtathleten.
Neues Porsche-Werk in Leipzig
Nach estem Spatenstich und Richtfest im Jahr 2000 für das neue Porsche-Werk im Nord-Westen Leipzigs wurde mit Hochdruck am Innenausbau und der Einrichtung der Produktionsstraßen und Werkstätten gearbeitet. Im Frühjahr 2001 war auf dem 90 ha großen Betriebsgelände außerdem mit dem Bau der geplanten Einfahr- und Prüfstrecke sowie des Kundenzentrums begonnen worden. Im Herbst schließlich liefen in der Fertigung die ersten Tests an, so dass in diesem Jahr die Serienproduktion für das sportliche und geländegängige Mehrzweckfahrzeug "Cayenne" beginnen kann. Jährlich werden dort dann über 25.000 Exemplare dieses neuen Sportwagens - der nach 911 und Boxster dritten Baureihe von Porsche - in Serie vom Band rollen und von Leipzig aus an Kunden in alle Welt ausgeliefert. Die Porsche AG investierte in den neuen Produktionsstandort Leipzig deutlich über 50 Mio. Euro und schafft 260 zukunftsfähige Arbeistplätze vor allem für Menschen aus der Region.
"Marktgalerie" im Zentrum
Im Zentrum der Stadt am Leipziger Markt entsteht die "Marktgalerie". Das zur Gründerzeit mit sieben Gebäuen bebaute Areal wurde ursprünglich vor allem von "Äckerleins Hof", dem Leipziger Höhepunkt der Bauepoche des Barock, geprägt. Nach weitgehenden Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg entstand hier, unmittelbar gegenüber vom historischen Alten Rathaus, zwischen 1963-65 das Bürogebäude des Leipziger Messeamtes. Die rückwärtigen Bereiche zur Thomas- und Klostergasse blieben unbebaut. Die gesamte Fläche im Anschluss an den Gebäudekomplex Markt 10/Klostergasse 18 wird nun durch die BLS Immobilienprojektentwicklung GmbH & Co. KG entwickelt. Da der geplante Kaufhausneubau in einem sensiblen historisch gewachsenen Umfeld entsteht, legen Stadt und Bauherr besonderen Wert auf eine angemessene, das städtebauliche Umfeld beachtende Planung und Fassadengestaltung des Gebäudes. Nach den ca. 8-wöchigen Abrissarbeiten des ehemaligen Messeamtes, die im Mai 2001 begonnen hatten, sieht der Neubau der Marktgalerie einen sechsgeschossigen, geschlossenen Baukörper vor, der von einer Passage zwischen Marktplatz und Klostergasse durchstoßen wird. Von diesem Durchgang ist ein Abzweig zur Handwerkerpassage möglich. Insgesamt entstehen ca. 15.000 m² Flächen für den Einzelhandel. Im Erdgeschoss sind zudem weitere Läden vorgesehen. In den oberen Geschossen sind ca. 5.000 m² Fläche für hochwertige Büro- und Wohnnutzung reserviert. Zusätzlich entstehen in den Untergeschossen 480 Stellflächen, die über eine neue Zufahrt am Thomaskirchhof erreicht werden.
Neugestaltung Thomaskirchhof
Der Thomaskirchhof macht derzeit einen gestalterisch zusammenhanglosen Eindruck. Zudem sind die Beläge schadhaft, und immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen ruhendem und fließendem Verkehr. Die Erneuerung der Parkfläche und eine Neuordnung der Funktionen waren dringend erforderlich. Im nördlichen Teil des Platzes soll außerdem eine Rampe für die Tiefgarage der neuen "Marktgalerie" eingeordnet werden. Die Stadt Leipzig hatte deshalb acht Architektenteams zur Beteiligung an einem Gutachterverfahren für die Neugestaltung dieses bedeutsamen Innenstadtplatzes eingeladen, das von Mai bis August 2000 stattfand. Die Entwürfe sollten eine funktionelle Korrektur der Parkflächen im Zusammenhang mit einem Verkehrs- und Erschließungskonzept sowie einen Gestaltungsvorschlag für Platzoberflächen und Ausstattung beinhalten. Das Obergutachtergremium - die Jury - vergab zunächst einen ersten und einen zweiten Preis, forderte die Preisträger - das Hannoversche Team Kellner, Schleich und Wunderling und das Leipziger Team Behnisch, Hermus, Schinko und Schumann - aber auf, ihre Entwürfe noch einmal gemäß der im Verfahren geäußerten Bedenken und Anregungen zu überarbeiten. Nach erfolgter Überarbeitung empfahl die Jury die Arbeit des Leipziger Teams zur Realisierung. Der Entwurf von Behnisch, Behnisch, Hermus, Schinko und Schumann sieht klar gegliederte Platzbereiche mit wenigen Materialien und Ausstattungselementen vor. Diese Klarheit bleibt erhalten, wenn man die Gestaltungsvorschläge in ihren einzelnen Aspekten beurteilt: Das "Passepartout" aus Granitplatten und Mosaikpflaster mit Bordstein, das heute die Kirche umgibt, wird an die Gebäudefluchten der Umgebungsbebauung zurückgeführt. Innerhalb dieses Rahmens wird mit einheitlichen, nur durch Bordsteine unterschiedlicher Höhe gegliederten Pflasterflächen gearbeitet, die die Platzfläche funktional und räumlich gliedern. Nördlich der Thomaskirche entsteht so ein gut proportionierter dreiteiliger Raum: (schmalere) Straßenfläche, Funktionsstreifen für die Tiefgarageneinfahrt und Busse, Aufenthaltsfläche mit Sitzgelegenheiten. Dieser Raum ist vielfältig nutzbar. Die notwendigen Verkehrsfunktionen sind durch niedrigere Mauerscheiben vom Aufenthaltsbereich separiert, aber nicht abgeschlossen. Die Idee, hier einen möglichen Blick in die Tiefe zu eröffnen und dies mit Beleuchtungseffekten zu verbinden, setzt einen interessanten Akzent, der gleichwohl das historische Umfeld der Kirche respektiert.
Das Museum der bildenden Künste nimmt Formen an
Zum Richtfest Ende April 2001 ragte der 36 m hohe, 3-geschossige Kubus, entworfen von dem Architekturbüro Hufnagel, Pütz und Rafaelian, in den Leipziger Himmel. In Ostdeutschland gibt es keinen vergleichbaren Museumsneubau dieser Größenordnung nach 1945. Finanziert wird das ca. 62,5 Mio. Euro teure Vorhaben von der Stadt Leipzig sowie vom Bund und vom Freistaat Sachsen, die jeweils mit ca. 15 Mio. Euro den Bau bezuschussen. Der als gläserner Kubus konzipierte Neubau, der Ende 2003 eröffnet werden soll, wird von vier L-förmigen Baukörpern flankiert, die als Wohn- und Geschäftsflächen genutzt werden sollen. Die schlichte Architektur des Museums, die sich in der Maßstäblichkeit und Grundstruktur der Leipziger Innenstadt einfügt, lässt den Baukörper trotzdem als öffentliche und eigenständige Institution erkennen. Der Haupteingang des Museum wendet sich der Katharinenstraße zu. Große, auf die Zugänge im Blockrand bezogene Eingangshöfe bilden das Entree und führen in das Foyer mit Buch-Shop und Café sowie in den Sonderausstellungsbereich. Die Blockstruktur ist an jeder Seite geöffnet, um die Verbindung des Museumsbereiches mit den umgebenden Straßen zu ermöglichen. Der Innenraum des Neubaus wird zugleich abwechslungsreich von Terrassen und Lichthöfen strukturiert. Mit diesem Konzept knüpfen die Architekten an die typische Leipziger Geschäftsbebauung an und verschaffen weiterhin dem Gebäude durch die Höhe die dem Kunstmuseum zustehende Bedeutung. Der enstehende Neubau mit einer Ausstellungsfläche von rund 4.700 m² macht es auch möglich, Werke der bedeutenden Graphischen Sammlung erstmals in einem eigens für das lichtempfindliche Papier geschaffenen Ausstellungsbereich der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ferner ist als besondere Attraktion ein Kindermuseum geplant, in dem Kinder vor ausgewählten Kunstwerken kreativ arbeiten und in dem gleichzeitg die Werke der "kleinen Künstler" ausgestellt werden können. Der Neubau des Museums der bildenden Künste ist zugleich Kern eines neuen Museumsquartiers mit Gassen und Höfen mitten in der City. Der zentrale Ort und die städtische Umgebung werden sich hinsichtlich der Besucherzahlen positiv für das Museum auswirken, andererseits wertet das Museum das urbane Zentrum kulturell auf. Zukünftig wird sich das Museum auch verstärkt der zeitgenössischen Kunst widmen.
Tunnelverbindung von leipziger Hauptbahnhof zum Bayrischen Bahnhof
Haupbahnhof in Leipzig
Wilhelm-Leuschner-Platz
Bayerischer Bahnhof
Zentralstadion in Leipzig.
Zentralstadion in Leipzig
Mehrzwecksporthalle in Leipzig
Das Museum der bildenden Künste im Model (Leipzig)
Der Neubau des Museum der bildenden Künste in Leipzig
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